Wettbewerb "Remscheid sucht den schönsten Baum" - Gewinner

Alle Remscheiderinnen und Remscheider waren dazu aufgerufen, beim Casting des städtischen Fachdienstes Umwelt mitzumachen. Gesucht wurde der schönste und prägendste Baum Remscheids - ein städtischer Baum oder ein Privatbaum.
Sandra und Markus Brüggemann / Baumstandort Adlerstr. 17a

1. Platz: Sandra und Markus Brüggemann / Baumstandort Adlerstr. 17a

200 Jahre auf der Welt und immer noch nicht alt!

Da, wo ich stehe, vermutet man mich nicht. Ich gehöre nicht zu irgendeinem Park, Feld oder Wald. Nein, ich stehe auf einem Privatgrundstück inmitten eines alten Remscheider Arbeiterviertels. Ich bin wahrscheinlich der einzige meiner Sorte, der in Remscheid existiert und das seit nunmehr 200 Jahren.

Als ich noch jung, also wenige Jahre alt war, sah es in Remscheid noch ganz anders aus. Auch um mich herum standen weniger Häuser und in Remscheid lebten weniger als 10.000 Einwohner, die entweder zu Fuß oder mit Kutschen unterwegs waren. Ruhig war es überall.  Autos gab es noch nicht. Ich glaube, dass ich, wie kein anderer Baum in Remscheid, die junge Stadt während der Industrialisierung habe wachsen gesehen. Das war unglaublich spannend, da es so schnell ging. Ich weiß auch nicht, wieviele meiner ebenso alten Freunde sich noch an das erste Auto erinnern können, welches in Remscheid fuhr. Ich kann es tatsächlich noch. Ebenfalls erinnere ich mich ganz besonders an den Bau des heutigen Rathauses im Jahr 1906. Von meinem Platz aus hat man nämlich einen unvergleichlichen Blick auf das Stadtzentrum von Remscheid. Auch wenn heute einige Häuser mehr versuchen den Blick zu verdecken, gelingt es mir Dank meiner Größe dennoch das Rathaus zu betrachten. Gerade abends ist es ein wunderschöner Anblick. Anders herum ist es auch vom Rathaus aus möglich, meine prächtige Krone inmitten der Hausdächer vom Rosenhügel zu sehen.

Leider habe ich auch viel Leid gesehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Remscheid durch einen Luftangriff stark zerstört. Viele Häuser und Bäume brannten. Dabei verloren zahlreiche  Menschen ihr Leben. Das war einer der traurigsten Momente in meinem Leben.

Die schönen Erinnerungen kann mir trotzdem keiner nehmen und so genieße ich Tag für Tag die ruhige Umgebung, in der ich leben darf. Ab und zu kommt mich ein Eichhörnchen besuchen, aber auch unzähligen Vögeln darf ich Schutz und ein Zuhause geben. Manchmal bleiben sogar Menschen während ihres Spaziergangs am Straßenrand stehen, um meine stattliche Größe zu bewundern. Im Winter sehe ich, wie Kinder Schlitten fahren, im Sommer darf ich sie beim Planschen im Becken beobachten. Das sind Momente, für die es sich lohnt alt zu werden, aber das bin ich ja noch nicht.

Jürgen Bahr / Baumstandort Borner Straße 36

2. Platz Jürgen Bahr / Baumstandort Borner Straße 36

Der schönste Baum von Remscheid

Es war so um 1954 herum als mein Sohn mit einem strahlenden Gesichtsausdruck

vom spielen mit seinem Freund nach Hause kam und freudestrahlend berichtete,

das ein Lastwagen auf der Straße in einer Kurve vorbeigefahren sei,

von dem ein paar dieser Setzlinge herunterfielen und sie es nicht geschafft haben

dem Fahrer auf das Missgeschick hinzuweisen.

Sie hatten sich die Setzlinge geteilt und mit nach Hause gebracht.

Mein Mann und ich suchten für die Setzlinge einen guten Platz zum einpflanzen aus,

es musste ja bedacht werden, das  diese Bäumchen ja größer wurden und Platz brauchten.

Dieser Platz war schnell gefunden, neben unserem Haus hatten wir noch ein Obstgrundstück,

dort pflanzten wir das schönste der kleinen Bäumchen vor einem Hang ein.

Das kleine Bäumchen entpuppte sich schließlich als eine Rotbuche, es wuchs und

entwickelte sich prächtig.

Die Jahre gingen ins Land und aus dem kleinen Setzling wurde ein riesiger und

stattlicher schön anzuschauender Baum.

Jedem, der vor diesem Baum stehenblieb, dem berichtete ich stolz seine Geschichte.

Ich verlor meinen Mann, der mit uns das Bäumchen gepflanzt hatte,

meinen zu früh verstorbenen verheirateten Sohn, der dieses Bäumchen mit nach Hause brachte,

bis auch ich von der Welt abgerufen wurde.

Was blieb ist meine Schwiegertochter und meine verheiratete Enkelin,

die heute noch stolz  jedem, der es hören möchte, die Geschichte des Baumes erzählen. 

Remscheid-Lennep im Jahr 2016

2. Platz: Werner Schimmel / Baumstandort Borner Straße 36

Zum Zeitpunkt der noch gepflasterten Borner Str. wurde wohl dieser Baum gepflanzt, also ich denke vor mehr als 85 - 100 Jahren. Ich sehe dieses Prachtexemplar jeden Tag und ich denke, der Baum spricht auch jeden Tag mit den über 1000 LKW´s und über 5000 PKW´s, die dort gedankenlos vorbeifahren. Vielleicht ist er glücklich, dass er jeden Tag die vielen Stickoxyde und Abgase in Sauerstoff verwandeln kann und deshalb liebe ich diesen alten Baum.

Siegfried Landau / Baumstandort Büchelstr. 49

3. Platz: Siegfried Landau / Baumstandort Büchelstr. 49

Die Eiche vor der Pauluskirche ist für mich der schönste und zugleich auch der bedeutsamste Baum in Remscheid. Sie wurde unmittelbar nach dem deutsch-französischen Krieg 1870-71 als Friedenseiche (und nicht als Siegeseiche!) vom Bücheler Landwehrverein gepflanzt. In gewisser Weise nimmt sie damit schon die deutsch-französische Freundschaft anstelle der alten Erbfeindschaft vorweg. Sie ist also zugleich so etwas wie ein Europa-Baum, ein Mahnmal für Frieden und Völkerverständigung. Sie ist in ihren Dimensionen so imposant(145 Jahre alt!), dass man sie kaum aufs Bild bekommt bzw. wie ich es hier versucht habe nur als Panorama.


24.11.2016
 

Pressestelle

Frau Viola Juric