Denkmal des Monats Dezember 2011

Güldenwerther Bahnhof - Bahnsteigüberdachung
Ansicht Bahnsteig 2001

Geschichte

Im Zuge der höchsten erhaltenen, im Freivorbau errichteten, deutschen Eisenbrücke, der „Müngstener Brücke“, entstand an der Eisenbahnstrecke Solingen - Remscheid nach 1897 der Haltepunkt Remscheid - Güldenwerth. Zunächst als Kreuzungspunkt angelegt, wurde Gülden­werth ab dem 01.08.1898 auch Haltepunkt. Zu Grunde gelegt wurde dabei der damals erreichte Standard von Verkehrsanlagen dieser Art. Auch Ingenieur­bauwerke wurden selbstverständlich nach dem künstlerischen Verständnis der Zeit gebührend geziert. In Güldenwerth griff man dabei in zeittypischer Weise auf Prinzipien des frühen Eisen­baus zurück, der wiederum an klassischen Stilvorbildern orientiert war (z. B. korinthisches Kapitell).

Das am 01.10.1901 eröffnete Empfangsgebäude war ein malerisch-kleinteilig gegliederter, mit einem runden Eckturm versehener Werkstein-Fachwerkbau von hoher architektonischer Qualität. Das Gebäude wurde im März 1972 abgebrochen. Somit markiert heute nur noch die Bahnsteigüberdachung den Haltepunkt Güldenwerth.

Ablesbar ist und bleibt an der Güldenwerther Bahnsteigüberdachung die Entwicklung der In­dustriearchitektur der vorletzten Jahrhundertwende in Bezug auf die Umsetzung für Bauten der Verkehrsinfrastruktur. Das Bauwerk erfüllt in vollständiger Weise seinen ursprünglichen Zweck und tut dies in einem gegenüber späteren Anlagen dieser Art be­friedigenden Maße von ästhe­tischer Gestaltung.

 

Detail der Bahnsteigüberdachung 2011

Beschreibung

Die heute noch vorhandene Überdachung stellt sich als ein langgestrecktes Bauwerk mit sieben Jochen (Joch = Abschnitt zwischen zwei Sparren) dar. 14 paar­weise angeordnete Gussstützen mit Tragwerk oberhalb korinthischer Kapitelle (Kapitell = ausladenes Kopfstück einer Säule / Stütze) stützen ein flaches Satteldach. Das südliche Stützenpaar ist dabei aus der Flucht der übrigen Gußstützen nach außen versetzt.

Stützen Bahnsteigüberdachung 2011

Das gusseiserne Tragwerk der in Schuhen ruhenden hölzernen Dachsparren besteht aus zwei konkaven Viertelkreisen, denen zur Stabilisierung Vollkreise einbeschrieben sind. Dies ist eine Form, wie sie schon bei der ersten gusseisernen Brücke der Welt, der 1779 errichteten „Iron Brigde“ in Coalbrookdale / GB, verwendet worden ist. Auf dem waagerechten Abschlussstab ist in steigendem Winkel ein zweiter Stab aufgelegt, dessen angegossene Schuhe die Sparren auf­nehmen. Zugstangen verbinden in Längs- und Quer­richtung die gesamte Konstruktion und steifen diese so aus.

 

Ansicht Bahnsteig 2011

Im Rahmen der Ertüchtigung des Haltepunktes im Jahr 2006 wurde neben der Sanierung des Fußgängertunnels auch das Niveau des Bahnsteiges angehoben, so dass die Basis der Stützen, bis auf die des südlichen Stützenpaares, nicht mehr sichtbar sind.

 

Die Bahnsteigüberdachung wurde am 21.08.2001 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

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