Denkmal des Monats Februar 2012

Hochbunker Bliedinghauser Straße 40

Geschichte

Das Luftschutzgesetz vom 05. Juli 1935 regelte die Organisation des Luftschutzes in Deutschland. Im Oktober 1939 waren die Bestimmungen zur sofortigen Durchführung baulicher Maßnahmen im Luftschutz („Führer-Sofortprogramm“) mit allgemeinen Angaben über die Art der zu errichtenden Bauten erlassen worden. Nach einer am 14. November 1939 einberufenen Baudezernententagung wurden die Bestimmungen durch genormte Pläne zum Bau bombensicherer Luftschutzbauten präzisiert. Grundlage für den Bau von Hochbunkern wurden schließlich die am 06. August 1941 erlassenen „Besonderen Bestimmungen für den Bau von Luftschutzbunkern“. Hierin wurde neben Luftschutzaspekten auch eine städtebauliche Gestaltung unter Beibehaltung eines wehrhaften Charakters der Bunker gefordert.

Bau des Bunkers 1942

Der Bunker an der Bliedinghauser Straße 40 wurde vor dem Hintergrund dieser Verordnung errichtet. Als Bunker mit Schutzfunktion für die Bevölkerung ist er Teil des Verteidigungssystems im Zweiten Weltkrieg und Teil des Luftschutzsystems in Remscheid zusammen mit den übrigen, teilweise in ähnlicher Formensprache gestalteten Bunkern des Stadtgebietes (z. B. Rudloffstraße 8, Wallstraße 38-42 und Vieringhausen 76). Die äußere Gestaltung erinnert durch die vorgetäuschten Lüftungsöffnungen an einen Speicherbau, wobei der Baukörper in Höhe und Proportion der umgebenden Bebauung angepasst ist. In der inneren Organisation, in der Aufteilung und in den Raumgrößen weist der Bunker Parallelen zu zeitgleichen Standardbunkern auf, wobei die Schlafräume des Kellergeschosses um ein bis zwei Quadratmeter kleiner bemessen sind als vergleichbare Objekte.

Beschreibung

Der Bunker wurde 1942 als freistehender Baukörper an der Ausfallstraße von Remscheid nach Bliedinghausen errichtet. Das Grundstück fällt von der Straße um eine Geschosshöhe nach Norden ab, so dass der Keller von der Rückseite ebenerdig zugänglich ist.

Bunker Straßenansicht zum Bauantrag 1942

Es handelt sich um einen über einem rechteckigen Grundriss errichteten unterkellerten, zweigeschossigen, verputzten, achtachsigen (Fensterachsen) Betonbaukörper mit ziegelgedecktem Satteldach. Die östliche Giebelachse besteht aus verputztem Backsteinmauerwerk.

Die Achsen sind in beiden Geschossen als schmale hohe Schlitze ausgebildet, die mit leicht hervortretender schlichter Steinrahmung gefasst und durch kleinmaschige Betonraster geschlossen sind. Das Dachgeschoss wird über kleine Gauben, im Raster der Fassadenschlitze, belichtet. Die beiden Zugänge liegen straßen- und gartenseitig jeweils in der westlichen Achse. Der rückwärtige Eingang ist von glattem Naturstein eingefasst. An der gegenüberliegenden östlichen Giebelseite befindet sich eine zweigeschossige, einraumtiefe, über einem separatem Eingang und ein eigenes Treppenhaus erschlossene Wohnung. Dieser Wohnteil weist 45 cm starke Außenwände und an der Giebelseite hochrechteckige Fensteröffnungen auf.

Bunker Erdgeschossgrundriss zum Bauantrag 1942

Die Bunkerzugänge führen durch eine verwinkelte Druckschleuse über eine zweckbestimmte zweiläufige Betontreppe. Im Keller-, Erd- und Obergeschoss reihen sich gleichgroße, achsenbreite Räume nebeneinander. Pro Geschoss gibt es einen Aufenthaltsraum und einen Waschraum. Innerhalb der 1,10 m dicken Außenwände sind die Lichtschlitze mit Versprung angeordnet. Innen sind sie jeweils oben als runde Lüftungsöffnungen in den Räumen zu erkennen. Entsprechend befinden sich unten an den Zimmertüren Lüftungsgitter.

Lüftungsmotoren sind nicht mehr vorhanden, die Lüftungskanäle sind unvollständig erhalten.

Bunker Erdgeschoss Flur 2002

Insgesamt ist jedoch die innere Struktur unverändert. Der Baukörper entspricht den Antragsplänen und in der äußeren Konzeption der Erbauungszeit.

In den 1950er Jahren wurde an der straßenseitigen Fassade ein Kiosk angebaut, der in den 1990er Jahren wieder abgebrochen wurde.

Der Bunker Bliedinghauser Straße 40 wurde am 17.02.2006 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen.

 

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