Streuobstwiesen in Remscheid

Streuobstwiese, Begriff

Die Herkunft des Begriffes ist nicht klar definiert. Einerseits versteht man darunter eine Wiesenfläche auf der hochstämmige Obstbäume „verstreut“ gepflanzt worden sind. Im Gegensatz dazu steht die Reihenpflanzung einer Obstplantage. Die Bäume einer Streuobstwiese weisen eine unterschiedliche Alterstruktur auf und sind gekennzeichnet durch verschiedene alte, regional typische Sorten. Eine andere Erklärung weist auf die frühere Nutzung der Flächen als Mähwiesen hin, die zur Gewinnung von Streu (Stroh) für das Vieh hin.

Streuobstwiesen in Remscheid

Vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein war Remscheid von blühenden Obstgärten umgeben. Der traditionelle Obstanbau war eine wichtige landwirtschaftliche Nutzungsform. Durch die Umstrukturierung der Landwirtschaft verloren die Streuobstwiesen an Bedeutung; Obstwiesen wurden für die Selbstversorgung entbehrlich und nicht mehr gepflegt oder gerodet. In Remscheid gibt es deshalb nur noch Restbestände auf cirka 50 Einzelflächen. Dies ist ein großer Verlust für unsere Kulturlandschaft. Neben dem landschaftsästhetische Wert haben Streuobstwiesen einen hohen ökologischen Wert. In einem Bestand können zwischen 2000 – 5000 Tierarten beheimatet sein. Dabei haben Insekten wie Käfer, Wespen, Hummeln und Bienen den größten Anteil. Aber auch Spinnentieren und Kleinsäuger sind häufig zu finden.

Obstwiese

Die Untere Landschaftsbehörde unterstützt intensiv die Neuanlage und den Erhalt von Streuobstwiesenbeständen und ist Mitglied im Arbeitskreis „Obstwiesen Solingen/Remscheid“. 2004 wurde erstmals eine Sammelstelle für Äpfel eingerichtet, um auch privaten Obstwiesenbesitzern die Möglichkeit zu geben, ihre Äpfel zu verkaufen oder gegen Apfelsaft einzutauschen. Die gesammelten Äpfel werden von zwei Mostereien zu einem schmackhaften Saft verarbeitet Ziel ist es, über neue Vermarktungsmöglichkeiten, die Streuobstwiese wieder attraktiv zu machen und auch den alten Sorten wie Seidenhemdchen, Rote Sternrenette und Tulpenapfel eine Chance zu geben.

Fördermöglichkeiten

Wenn Sie Interesse an der Pflanzung von Obstbäumen haben und sich über Fördermöglichkeiten informieren möchten wenden Sie sich bitte an die Mitarbeiter/ innen der Unteren Landschaftsbehörde.

Sortenwahl

Es gibt für das Bergische Land eine Vielzahl alter, heimischer Obstsorten, die an die Verhältnisse von Remscheid gut angepasst sind. Es empfiehlt sich bei der Pflanzung von Obstgehölzen daher auf diese Sorten zurückzugreifen, um einen möglichst robusten und stabilen Obstbaumbestand zu erhalten.

Empfohlene Apfelsorten für das Bergische Land

Die rechts verlinkte Empfehlungsliste gilt für das historische Bergische Land mit den Städten Leverkusen, Solingen, Remscheid und Wuppertal sowie für die Landkreise Düsseldorf-Mettmann, Rheinisch-Bergischer Kreis, Oberbergischer Kreis und den rechtsrheinischen Teil des Rhein-Sieg Kreises. Sie ist viermal unterteilt: in Hauptsorten, Ergänzungssortiment, Lokal- und Regionalsorten.

Obstbäume

Der Koordinierungsausschuss „Obstwiesenschutz in NRW“ empfiehlt nur die Verwendung von „virusfreien“ und „virusgetesteten Edelreisern aus dem Landesmuttergarten; das heißt für Obstbaum - Hochstämme, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, dürfen nur die mit vt = virusgetesteten oder vf = virusfreien Pfropfköpfen veredelten Obstbäume bestellt werden. Viele Lokal- und Regionalsorten, gebietsfremde und neue Sorten sind noch nicht virusgetestet beziehungsweise virusfrei.

Birnensorten

  • Gellerts Butterbirne
  • Köstliche aus Charneu
  • Pastorenbirne
  • Gute Graue
  • Neue Poiteau
  • Doppelte Phillipsbirne
  • Bergamotte-Sorten
  • Martinsbirne
  • Petersbirne
  • Westfälische Glockenbirne (Speckbirne)
  • Goldschwänzchen
  • Gräling
  • St. Remybirne
  • Großer Katzenkopf

weitere Obstsorten

  • Hauszwetschgen
  • Walnussbäume (Quelle: RBN e.V., ULB)

Sonstige alte bergische Lokalsorten, die hier nicht im einzelnen aufgeführt sind, sollten Sie bevorzugt verwenden.


Für jede Obstwiesenpflanzung ist es wichtig, die pollenspendenden Sorten „Ontario“ und „Klarapfel“ zu integrieren.


Aufgrund der hohen Niederschläge sind Obstbäume in Remscheid generell stark Pilzkrankheiten und ähnlichem ausgesetzt. Die Bäume sind mindestens alle 3 Monate insbesondere auf Obstbaum-Krebs hin zu begutachten. Da krebskranke Bäume bereits nach kurzer Zeit den gesamten Baumbestand infizieren können, sind Krebsstellen sofort großzügig zu entfernen bzw. auszuschneiden (selbstverständlich müssen auch in vorhandenem Altbaumbestand alle Krebsstellen entfernt werden!). Weil insbesondere Apfelbäume in der Regel ohne regelmäßige Betreuung erkranken und absterben ist eine regelmäßige Pflege unerlässlich. Sollte diese nicht möglich sein, ist alternativ Wildobst (Wildapfel, Wildbirne, Wildkirsche) zu verwenden.


Wegen des starken Spitzendürre-Befalls (Monilia) in den letzten Jahren, können wir die Pflanzung von Süß- und Sauerkirschbäumen vorerst nicht empfehlen.

Arbeitskreis Obstwiesen Solingen/Remscheid

Die Stadt Remscheid ist Mitglied im ‚Arbeitskreis Obstwiesen Solingen/Remscheid’, der die Förderung der lokalen Obstwiesenbestände zum Ziel hat. Die Federführung des Arbeitskreises liegt bei der Biologischen Station Mittlere Wupper. Dort erhalten Sie weitere Informationen zum Thema wie Literaturlisten, Seminartermine, Vereine etc..

 

Kontakt

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