Remscheider Woche der seelischen Gesundheit

In der 2. Remscheider Woche der seelischen Gesundheit - vom 28. September bis zum 2. Oktober - sollen fünf Abendveranstaltungen dazu beitragen, das Wissen über Depression zu erweitern und damit Vorurteile gegenüber Betroffenen abzubauen.

Burn-out, depressiv oder einfach nur schlecht drauf

Die Erfahrung zeigt, dass der wirksamste Weg zum Abbau von Vorurteilen die Begegnung zwischen Betroffenen und Nichtbetroffenen ist. Über Vorträge von Ärzten und Buchlesungen von Depressionserfahrenen, an die sich immer die Möglichkeit des Austauschs anschließt, kann sich jeder Interessierte selbst informieren. Alle Veranstaltungen werden zentral in Remscheid angeboten und sind kostenfrei. 

Woche der seelischen Gesundheit - Das Programm

Schon am Samstag, den 26. September, werden die Wege zu den Veranstaltungsorten mit roten Fußstapfen gekennzeichnet sein und das bergische clown collektiv wird mit lustigen Aktionen in der Fußgängerzone obere Alleestraße auf die Woche der seelischen Gesundheit aufmerksam machen.

Ab der Woche davor wird vor dem Haus für seelische Gesundheit am Busbahnhof ein buntes Tipi der Künstlerin Ute Lennartz auf die Empfindlichkeit und Stabilität eines Gewebes/Gemeinwesens aufmerksam machen, das immer nur so stark ist, wie sein schwächstes Glied. 

  1. September, 18.30 Uhr, Vaßbendersaal, Ambrosius-Vaßbender-Platz 1

Eröffnungsveranstaltung

  • Begrüßung durch Schirmherr Sozialdezernent Thomas Neuhaus
  • "Depression - Wen trifft es, und was ist zu tun?", Vortrag von Prof. Dr. Klaus Windgassen, Evangelischen Stiftung Tannenhof
  • "Bergischer Jung", Kabarett mit Willibert Pauels 
  1. September, 18.30 Uhr, Westdeutsches Tournee Theater, Bismarckstraße 138
  • "Helen", Deutschland/USA 2009 - Filmaufführung
  • Gesprächsrunde mit dem Trialog Remscheid und Frau Dr. Schumann, Psychiaterin 
  1. September, 18.30 Uhr, Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6

"Lieber Matz, dein Papa hat ‘ne Meise" - Lesung mit Sebastian Schlösser 

  1. Oktober, 18.30 Uhr, Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6

„Depression und Alkohol“ - Vortrag von Dr. Jörg Hilger, Evangelischen Stiftung Tannenhof 

  1. Oktober, 19.30 Uhr, Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6
  • „Von wegen Mimose“ - Lesung mit Beate Felten-Leidel
  • Remscheider Selbsthilfegruppen stellen sich vor 

Woche der seelischen Gesundheit – wer zu Wort kommt

An dem Leiden durch den Umgang mit und der Bewältigung von depressiven Erkrankungen sind in der Regel verschiedene Menschen beteiligt, die alle mit ihren konkreten Erfahrungen in dem Bündnis „Remscheider Woche der seelischen Gesundheit“ zu Wort kommen. Zum einen die Erkrankten selbst, für die es vorrangig wichtig ist, so schnell wie möglich eine optimale psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung zu erhalten. Dann die Angehörigen, die in ihrer Hilflosigkeit ebenfalls Unterstützung brauchen, sowohl professionelle als auch durch Selbsthilfe. Nicht zu vergessen die professionellen Behandler und Betreuer, die in der nicht selten anstrengenden Begleitung depressiv Erkrankter immer wieder an die Grenzen ihrer persönlichen Belastbarkeit stoßen. 

Hintergrundinformation zum „Tag der seelischen Gesundheit“ am 10. Oktober

Unter dem Motto „Keine Gesundheit ohne Seelische Gesundheit“ haben bereits 1992 haben WHO und WFMH (World Federation for Mental Health) den Welttag für Seelische Gesundheit ausgerufen. Dieser findet jährlich am 10. Oktober statt und bietet willkommenen Anlass, die unten genannten Forderungen in regionalen Aktivitäten umzusetzen und öffentlich zu machen.

In der Europäischen Erklärung von Helsinki 2005 einigten sich die Gesundheitsminister der europäischen Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO auf folgende Prioritäten zur Verbesserung der Seelischen Gesundheit:  

  • Das Bewusstsein von der Bedeutung Seelischen Wohlbefindens zu fördern.
  • Gemeinsam gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ungleichheit vorzugehen. Menschen mit psychischen Problemen und Erkrankungen sowie deren Angehörige zu stärken und zu unterstützen.
  • Umfassende, integrierte und effiziente Versorgungssysteme einzurichten, die die Seelische Gesundheit fördern, sowie die Prävention, Behandlung, Rehabilitation, Pflege und Genesung umfassen.
  • Den Bedarf an kompetenten Fachkräften in allen erforderlichen Bereichen zu decken.
  • Die Erfahrung und das Wissen der Betroffenen und Betreuenden als Basis für die Planung und Entwicklung von psychosozialen Diensten anzuerkennen.

Woche der seelischen Gesundheit - die Organisatoren

Die Woche wird organisiert und begleitet von einem breiten Bündnis. Zu ihm gehören

  • die Evangelische Stiftung Tannenhof,
  • der Verein „Seele in Not“e.V.,
  • das Gesprächsforum TRIALOG (Betroffene, Angehörige und „Profis“),
  • die Stadt Remscheid mit sozialpsychiatrischem Dienst und psychologischer Beratungsstelle,
  • das Sozialpsychiatrische Zentrum Remscheid – SPZ,
  • das AHG Therapiezentrum Haus Remscheid und
  • das Augusta-Hardt-Heim. 

Hintergrundinformationen zur Depression

Nach Aussage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe beträgt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, etwa fünf bis 15 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auffällig ist auch das hohe Suizidrisiko: Etwa zehn bis 15 Prozent der Patienten mit rezidivierenden schweren Depressionen sterben durch Selbsttötung. Deshalb ist es wichtig, die Probleme depressiver Menschen unbedingt ernst zu nehmen und so schnell wie möglich professionelle Hilfe aufzusuchen. 

Typische Symptome einer Depression: eine traurige Verstimmung, Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, Schlafstörungen, Angst und Selbsttötungsgedanken. Denken und innerer Antrieb sind gehemmt. Auch körperliche Symptome können auf eine Depression hinweisen. Bei einigen Patienten wechseln sich depressive Phasen mit manischen ab. Dann sind die Betroffenen in unangemessen gehobener Stimmung, ihr Antrieb ist gesteigert, sie überschätzen sich und sind enthemmt. 

Untersuchungen zeigten, dass im Vorfeld von Depressionen gehäuft krisenhafte Ereignisse, wie der Verlust einer geliebten Person oder anhaltende Konflikte, aufgetreten waren. Diese Faktoren scheinen allerdings nicht allein Depressionen auszulösen, sondern führen eher zu einer unspezifischen Stressreaktion und im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren nicht selten zu einer Depression. „Wird eine Depression rechtzeitig erkannt und behandelt, kann in der Regel auch ein Suizid verhindert werden. Doch obwohl mit Medikamenten wie Antidepressiva oder psychotherapeutischen Maßnahmen wirksame Therapien zur Verfügung stehen, wird nur eine Minderheit der depressiv Erkrankten optimal behandelt“, sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, Sprecher des Kompetenznetzes Depression/Suizidalität sowie Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bündnisses gegen Depression. 

„Die Krankheit, die man nicht haben darf“ überschrieb im November 2009 die Frankfurter Allgemeine einen Artikel über den Suizid von Robert Enke, den die „zweite Diagnose Stigmatisierung“ daran gehindert hat, mit seiner Erkrankung an die Öffentlichkeit zu gehen und sich möglicherweise in eine wirksamere Behandlung zu begeben. Obwohl schon verbessert hält sich das negative und vorverurteilende Bild, dass Menschen depressiv erkranken, weil sie schwach, labil, zu keinen Entscheidungen fähig und wenig leistungsfähig sind. „Da habe ich lieber Krebs, das kann man wenigstens operieren.“ Auch Burn Out klingt scheinbar nicht ganz so bedrohlich wie Depression.

Jedes Jahr erfahren wir über die Berichte der Krankenkassen, dass die Beschäftigten in Deutschland besonders durch Depressionen hoch belastet sind. Nie war die Zahl der Fehltage aufgrund dieser Erkrankung so hoch wie im vergangenen Jahr. Laut DAK ist der Anstieg rasant, in den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Fehltage mehr als verdoppelt. (DAK Pressemitteilung Januar 2015) 

Aufklärungskampagnen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass immer mehr Ärzte etwa eine Depression auch erkennen und dass Patienten schneller Hilfe beim Facharzt suchen. Hinter dem Anstieg der Diagnosen verbirgt sich zum Teil die wünschenswerte Aufhellung eines Dunkelfeldes. Vor allem affektive Störungen haben viel von ihrem früheren Stigma verloren. Auch deshalb gibt es weniger Scham- und Verlegenheitsdiagnosen. Man kann durchaus annehmen, dass sich in der Vergangenheit hinter vielen Rückenschmerzen und Schlafstörungen eigentlich psychische Beschwerden, zum Beispiel Depressionen, verbargen. 

Aber auch die Arbeitswelt hat sich verändert. Scheinbar war es früher einfacher, sich etwa mit einer leichten Depression durch Leben und Beruf zu schleppen. Heute ist das nicht mehr so einfach. Der steigende Druck am Arbeitsplatz verursacht womöglich nicht die Störung, macht sie aber sichtbarer.

Der Dachverband der Betriebskrankenkassen nennt drei wesentliche Bereiche im Arbeitsleben, in denen die Anforderungen besonders belastend sind:

  • Multi-Tasking seit 2006 Spitzenreiter bei Arbeitsanforderungen: 58 Prozent der Erwerbstätigen geben an, dass ihre Arbeit häufig die gleichzeitige Bearbeitung verschiedenartiger Aufgaben verlangt. Hinter Multi-Tasking folgen starker Termin- und Leistungsdruck (52%) und ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge (50%) als typische

Anforderungen am Arbeitsplatz. (Quelle: Stressreport Deutschland 2012)

  • Belastung am Arbeitsplatz: Als tatsächlich belastend nehmen 34 Prozent der Beschäftigten vor allem das Auftreten von starkem Termin- und Leistungsdruck wahr. Ebenfalls als störend empfunden werden Arbeitsunterbrechungen (26%) sowie die gleichzeitige Bearbeitung von

verschiedenen Aufgaben (18%). (Quelle: Stressreport Deutschland 2012)

  • Gefühlter Stress nimmt zu: Für 43 Prozent der Erwerbstätigen haben Stress und Arbeitsdruck in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Dabei sind Führungskräfte (48%) und Mitarbeiter (40%) in etwa gleichem Maße betroffen. Die Ausprägungen des Stresses sind jedoch sehr unterschiedlich: 19 Prozent berichten von einer quantitativen Überforderung, 13 Prozent dagegen von einer qualitativen Unterforderung. (Quelle: Stressreport Deutschland 2012

Man muss davon ausgehen, dass die rasante Zunahme von Diagnosen depressiver Erkrankungen vor allem ein Hinweis darauf ist, wie weit verbreitet und viel häufiger die Erkrankung ist als früher angenommen (weil jetzt umfassender definiert und repräsentativer erhoben). Anders ausgedrückt gehören Depressionen ebenso wie körperliche Erkrankungen mehr oder weniger »zum Leben dazu« und sind aufgrund der individuellen Leiden und auch der volkswirtschaftlichen Kosten sehr ernst zu nehmen.

Belastung am Arbeitsplatz

18.09.2015
 

Pressestelle

Frau Viola Juric